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Aktuelles / Texte / 2012

Der Standpunkt der Aufnahme, Tobias Hering, Arsenal, 2010

Karin Kasböck und Christoph Leitner arbeiten seit 1999 unter dem Namen bankleer zusammen. Sie leben in Berlin und im Rahmen von Stipendien auch andernorts. Ihre Arbeiten werden regelmäßig in Einzel– und Sammelausstellungen gezeigt, zuletzt im Württembergischen Kunstverein Stuttgart, in der Motorenhalle Dresden und im Kunstpavillon Innsbruck. Neben der Produktion eigener Arbeiten widmen sich bankleer auch der Ermöglichung und Konzeption von Gruppenprojekten und –ausstellungen. Als Kurator_innen waren sie zuletzt beteiligt an dem Ausstellungsprojekt Theater of Peace/Friedensschauplätze (2010; NGBK, Berlin).

bankleer stellen in ihren Arbeiten eine konsequente Gleichzeitigkeit von künstlerischer Form, politischer Analyse und aktivistischer Selbstverortung her. Ihre Arbeit konfrontiert die künstlerische Praxis mit ihrer politischen Durchdringung und Verantwortung; gleichzeitig wird dabei die politische Praxis hinsichtlich ihrer inhärenten Machtkonstellationen und Kommunikationsformen mit den Mitteln der Kunst einer permanenten Befragung, Dekonstruktion und Desavouierung unterzogen. „Ausgehend von Aktionen und Performances, dokufiktionalen Videos und Techniken des Expanded Cinemas produzieren wir bühnenhafte Installationen zu philosophischen und ökonomiekritischen Themen. Ausgangspunkt sind gesellschaftliche Prozesse von denen wir direkt betroffen sind. Wir nähern uns einem Thema aus unterschiedlichen Perspektiven über mehrere Projekte hinweg. So entstehen mediale Projektreihen, die sich überlappen und ineinander übergehen. Diese Technik bezeichnen wir als kubistischen Situationismus. Wir wechseln dabei häufig den Kontext, switchen zwischen öffentlichem Raum und Kunstinstitutionen, verweben Videoaktivismus mit Kunstaktion. Mit Aktionen und Performances versuchen wir aktuell geführte Diskurse in Praxis zu übersetzen und mit unserem Publikum in eine aktive Kommunikation zu treten.“ (bankleer) Zentrales Merkmal der so beschriebenen Praxis ist das ständige Wechselspiel zwischen Dokumentation und Fiktion, der Versuch dadurch Möglichkeitsräume zu eröffnen und zu bespielen, die sich der Gewalt des Faktischenentziehen, ohne dabei rein theoretisch zu bleiben. Utopie, die was will. Seit Beginn ihrer Zusammenarbeit interessieren sich bankleer für die Bedingungen von Arbeit, auch der künstlerischen Arbeit, und deren ideologische Chiffrierung. Seit 2004 (mit dem Projekt raus aus der arbeit, rein mit der realität, einer Kombination aus Intervention, Performance und Video in einer „Agentur für Arbeit“ in Stuttgart) spielt dabei der Zombie als eine performativ bespielbare, wie diskursgeladene Figur eine zentrale Rolle. Die Präsentation im Rahmen des Programms „Der Standpunkt der Aufnahme“ wird bei diesen Arbeiten ansetzen, in denen der Zombie als Verkörperung des Unterdrückten, Verdrängten und Marginalisierten, der uneingelösten Solidaritäts- und Empathiepotenziale interpretiert und auf die „Realität“ losgelassen wird. Dieses Motiv setzt sich fort in Arbeiten, die einem prominenten Untoten gewidmet sind: Die Videos Lenas Gespenster und Lenin fou sind Auseinandersetzungen mit Lenin, leninistischer Ikonografie und den pararealen Erscheinungsformen sozialer Utopien. Wenn auch formal ganz anders, so ist auch bankleers neueste Arbeit im kommen eine Fortsetzung dieser Beschäftigung mit Utopien der Vergangenheit: deren Wiedereinführung in die soziale und symbolische Realität der Gegenwart mittels der Kunst. im kommen verbindet eine Performance in der emblematischen Landschaft von Death Valley, Kalifornien mit einer Collage aus Texten von Timothy Leary, Ralph Metzner, Richard Alpert und Simon Crittchley.

Der Standpunkt der Aufnahme, Eine Programmreihe zu politischer Film- und Videoarbeit, 6. Oktober bis 2. Dezember 2010 im Kino Arsenal

von Tobias Hering

www.bankleer.org

http://www.standpunktderaufnahme.de/11-1-bankleer.html