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Aktuelles / Projekte / 2018

re.eden, 27. mai – 23. sept, 2018

2018-03-17_web

Parade, Workshops, Salons, Akademie, Performances, Essen, Architekturen, Diskussionen und Ausstellung – initiiert von re:forme e.V. und bankleer, 27. Mai – 23. Sept 2018, Eden, Oranienburg

Vor 125 Jahren gründeten 18 VegetarierInnen in Oranienburg die älteste noch bestehende Siedlung der Lebensreformbewegung. Sie nannten sie Eden: wie der Paradiesgarten.
Ihre Ziele waren die Hinterfragung von Normen, Werten und Sitten der bürgerlichen Gesellschaft und die Kritik an der voranschreitenden Urbanisierung, Industrialisierung und Kommerzialisierung.
Sie folgten der Utopie eines rückwärtsgewandten naturnahen Lebens in Verbindung mit einer zukunftsorientierten Sozialutopie.
Um dies zu verwirklichen setzen sie bei der individuellen Lebenspraxis an und streben nach einer Veränderung von unten. Aus der individuellen Lebenspraxis heraus entwickelt sich bald eine genossenschaftliche Siedlung mit gemeinsamen Landbesitz, was bald schon um eine eigene Bau- und Kreditgesellschaft, einem Gartenbetrieb, Obstverwertungsbetrieb, Sonnenbad, Kurhaus, Verlag, einer Schule und Kindergarten und einer eigenen Bank erweitert wurde.
So wie sich Zukunft oft in angehäufte Trümmerhaufen verwandelt, nachdem sie Gegenwart geworden ist, befinden sich die utopischen und progressiven Gründungsvisionen Edens in der Siedlung selbst auf dem Pfad schwindender Wirksamkeit und Erschöpfung.
Im Verlauf des Projekts hat sich unsere Perspektive von einer Draufsicht zu einer Innen-Schau verändert. In Eden zeigt sich in großer Deutlichkeit: Beharrlichkeit und ein Festecken in widerstreitendem Stillstand.
Die Widerständigen Kräfte speisen sich – so scheint es uns – zum einen aus der Nostalgie als Abwehrmechanismus gegen beschleunigte Lebensrhythmen und globalen Dynamiken, und im viele größerem Maße aus einer leeren Beharrungskraft und sinnlose Fixierung gegen das Neue.  Dazu kommen dann noch einseitige finanziellen Argumenten, dem sich Einrichten in individuellen Bequemlichkeiten und nicht zuletzt aus einer fehlenden Zukunftsvision.  
Kräfte und Strukturen, die auch unser Projekt fast täglich an den Rand der Verzweiflung und Erschöpfung drängen. Sicher, dies ist auch eine Form von Widerstand und Dissens – nur eben andersherum wie ich es gewohnt bin.
Vielleicht ist das allerdings auch ein Grund, warum es Eden überhaupt noch gibt und vielleicht deshalb genau der richtige Ort – an dem Neues entstehen kann.
Genau dort, wo es sich selbst im Weg steht, könnte es einen Weg geben.
Vielleicht ermöglichen die Dissonanzen, Schwebezustände und Blockaden auch den utopischen Horizont offen zu halten?
In diesem seltsamen Spannungsfeld zwischen einer utopischen Trümmerlandschaft, neuen Horizonten, Hemmnissen und dem Wunsch nach Veränderung sucht das Projekt re:form nach einem Update der lebensreformerischen Ansätze der Siedlung Eden.
Es macht sich auf die Suche nach energetischen Rückkoppelungen aus dem Nachleben verschwundener Utopien. Nach einem Ja und einem Nein.
Wir setzten uns aus, mischen uns ein und verwickeln uns.
Wir durchqueren Korridore der Angst, damit Neues ans Licht kommen kann.
Weshalb wir immer wieder aufs Neue mit dem Denken und Wünschen beginnen und der Versteinerung durch einseitig monetäre Argumentationen mit dem Wünschen und Ahnen von etwas Neuem begegnen!
Man muss schließlich an eine Verwandlung glauben, bevor man sie sehen kann.
Unser Projekt möchte dem Wind Fenster und Türen öffnen, damit er die Gedanken in Bewegung bringt.

in Zusammenarbeit mit Cornelia Berndt, Waltraud und Dieter Eisenberger, Dietrich Heißenbüttel, Elli Kosel, Lena Recknagel, Karsten Seiffert und Bruno Weber

ermöglicht durch Fonds neue Länder der Kulturstiftung des Bundes, der Eden Stiftung und dem Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg

Re-Eden_Programm

Graphik, Till Sperrle